Selbstbestimmt gebären - 5 Dinge, die dich auf deinem Weg stärken können
Eine selbstbestimmte Geburt bedeutet für mich nicht, dass alles genau so verlaufen muss, wie du es dir vorher vorgestellt hast. Geburt lässt sich nicht planen.
Selbstbestimmung bedeutet vielmehr, dass du verstehst, was geschieht, deine Wünsche und Bedürfnisse äußern kannst und dich mit deinen Entscheidungen gesehen und ernst genommen fühlst.
In meiner Arbeit als Doula erlebe ich immer wieder, wie viel Sicherheit es geben kann, sich bereits in der Schwangerschaft mit den eigenen Vorstellungen von Geburt auseinanderzusetzen.
Deshalb möchte ich dir fünf Gedanken mitgeben, die dich auf deinem ganz eigenen Weg stärken können.
Wissen gibt Sicherheit
Je besser du weißt, was während einer Geburt geschehen kann, desto leichter kannst du Entscheidungen treffen, die sich für dich richtig anfühlen.
Informiere dich schon in der Schwangerschaft über den Ablauf einer Geburt, mögliche Interventionen und deine verschiedenen Möglichkeiten. Dabei geht es nicht darum, jedes Detail vorauszuplanen. Vielmehr darfst du verstehen, welche Entscheidungen während einer Geburt auf dich zukommen können - und welche Alternativen es möglicherweise gibt.
Wissen kann dir helfen, Fragen zu stellen, abzuwägen und gemeinsam mit deinem Geburtsteam Entscheidungen zu treffen.
Kenne deine Wünsche
Vielleicht hast du schon eine Vorstellung davon, wie du dein Baby zur Welt bringen möchtest. Vielleicht weißt du aber auch noch gar nicht genau, was dir wichtig ist. Beides ist vollkommen in Ordnung.
Nimm dir während der Schwangerschaft Zeit, deine eigenen Wünsche kennenzulernen. Was gibt dir Sicherheit? Was hilft dir, dich wohlzufühlen? Wer soll bei dir sein? Wie wichtig sind dir Bewegung, Ruhe, bestimmte Geburtspositionen oder der erste ungestörte Kontakt mit deinem Baby? Deine Wünsche dürfen sich verändern - auch während der Geburt. Sie sind kein starrer Plan, sondern können dir und deinem Geburtsteam eine Orientierung geben.
Du musst nicht wissen, wie deine Geburt verlaufen wird. Aber du darfst wissen, was dir wichtig ist.
Du darfst Fragen stellen
Während deiner Geburt können Situationen entstehen, in denen dir Untersuchungen, Maßnahmen oder Interventionen vorgeschlagen werden. Gerade dann darfst du nachfragen und dir erklären lassen, warum etwas empfohlen wird.
Was ist der Grund für diese Maßnahme? Welche Vorteile hat sie? Gibt es mögliche Nachteile oder Alternativen? Und - sofern die Situation es zulässt - was würde passsieren, wenn ihr noch etwas wartet?
Du musst nicht alles wissen und du musst auch nicht jede Entscheidung allein treffen. Ein gutes Geburtsteam kann dich informieren, dir Möglichkeiten erklären und dich dabei unterstützen, eine Entscheidung zu treffen, mit der du dich wohlfühlst.
Fragen zu stellen, bedeutet nicht, schwierig zu sein. Es bedeutet, an deiner Geburt beteiligt zu sein.
Umgib dich mit Menschen, die dir Sicherheit geben
Wer dich während der Geburt begleitet, kann einen großen Unterschied darin machen, wie sicher und aufgehoben du dich fühlst. Überlege deshalb schon vorher, welche Menschen du in dieser besonderen Situation an deiner Seite haben möchtest.
Das kann dein Partner oder deine Partnerin sein, eine Hebamme oder auch eine Doula. Entscheidend ist nicht, wie viele Menschen dich begleiten, sondern dass du dich mit ihnen wohlfühlst und darauf vertrauen kannst, dass deine Wünsche und Bedürfnisse gesehen werden.
Gerade während der Geburt kann es guttun, jemanden an der Seite zu haben, der dich kennt, Ruhe ausstrahlt und einfach da ist - auch dann, wenn du selbst gerade nicht viele Worte findest.
Du darfst dir für deine Geburt einen Raum schaffen, in dem du dich sicher, gesehen und getragen fühlst.
Vertraue dir und deinem Körper
Geburt ist etwas, das sich nicht vollständig planen lässt. Und vielleicht liegt genau darin eine der größten Herausforderungen: sich auf etwas einzulassen, dessen Verlauf man vorher nicht kennt. Vertrauen bedeutet dabei nicht, dass du keine Angst oder Zweifel haben darfst. Es bedeutet auch nicht, dass du alles allein schaffen musst. Du darfst Unterstützung annehmen, deine Meinung ändern, eine Pause brauchen oder Entscheidungen treffen, die du dir vorher vielleicht anders vorgestellt hast. Versuche, während der Schwangerschaft immer wieder wahrzunehmen, was dir guttut und was dir Sicherheit gibt. Dein Körper, deine Bedürfnisse und dein Gefühl dürfen bei deiner Geburt eine Stimme haben.
Selbstbestimmt zu gebären bedeutet nicht, alles bestimmen zu können. Es bedeutet, auch dann bei dir und deinen Bedürfnissen zu bleiben, wenn Geburt ihren eigenen Weg nimmt.
Deine Geburt. Dein Weg.
Jede Geburt ist anders. Und jede Frau bringt ihre eigene Geschichte, ihre eigenen Wünsche, Ängste und Vorstellungen mit.
Mir ist wichtig, dass du deinen Weg nicht danach beurteilst, ob deine Geburt einem bestimmten Ideal entspricht. Eine positive und selbstbestimmte Geburt kann ganz unterschiedlich aussehen. Entscheidend ist, dass du dich gesehen, ernst genommen und in deinen Entscheidungen getragen fühlst.
Vielleicht nimmst du aus diesen fünf Gedanken vor allem eines mit: Du darfst dich informieren. Du darfst Wünsche haben. Du darfst Fragen stellen. Du darfst Unterstützung annehmen. Und du darfst darauf vertrauen, deinen eigenen Weg zu finden.
Von Herzen,
Julia
